| Hausmannskost gegen biedere Niederbayern |
Den Rückstand auf Nordprimus Dresdner Eislöwen auf drei Zähler verkürzt haben am Abend die EC Hannover Indians - soweit die erfreuliche Nachricht der abendlichen Partie der Pferdetürmler gegen den Deggendorfer SC. Der Unterhaltungswert des 6:3 (1:0,2:0,3:3)-Erfolges gegen das niederbayerische Kellerkind war allerdings überschaubar, die rund 2600 Fans bekamen die bisher mit Abstand niveauschwächste Darbietung 07/08 geboten.
In den späten 1970er Jahren hatte Deggendorf am hannoverschen Pferdeturm einst mit 10:8 triumphieren können, am Abend reichten jedoch schon zwei, drei Zeigerumdrehungen, um zu erkennen, dass sich dieses Unterfangen fast 19 Jahre später nicht wiederholen lassen würde. Der Gast agierte ängstlich im Spiel nach vorne, ausrechenbar im Mitteldrittel und teilweise konfus in der eigenen Zone, als x-mal die erkämpfte Scheibe postwendend an den ECH zurückübergeben wurde. Wohl viele Oberligateams hätten mit den nur im Abwehrbereich den Beinamen `Fire` verdienenden Deggendorfern schnell kurzen Prozess gemacht - die Indians jedoch bestätigten auch heute zum wiederholten Male, was ein Blick auf die Tabelle verrät: offensiv waren bis heute nur vier Teams weniger durchschlagskräftig als das von der Papierform her eigentlich so gefährlich klingende Pferdeturm-Ensemble. Die alles andere als zahlreichen Chancen gegen den schwachen DSC wurden überdies vergeben, erst ein Malheur von Oldie R. Haider, der in Minute 19 eine Fliege fing, brachte die 1:0-Pausenführung für den ECH. Torschütze M. Dahms freilich freute sich diebisch: der erst heute nach seinem Kieferbruch Anfang September wieder ins Team zurückgekehrte Dauer-Indianer hatte erstmals seit März 2006 getroffen. Hatte der Oberliganeuling in Durchgang eins durch E. Thomassian per Alleingang wenigstens eine faustdicke Gelegenheit auf einen Treffer besessen (4.), so verkam der Mittelabschnitt fast zum völligen Einbahnstraßeneishockey auf den DSC-Kasten. Reihenweise ließen die Indiansakteure dicke Sitzer liegen, war auch das leere Tor für S. Breiter und R. Huddy nicht groß genug. Ständige Unsauberkeiten im Passspiel und zahllose Unkonzentriertheiten zeigten die schwache Tagesform des ECH gegen einen noch harmloseren Gegner auf, der erst gegen Ende des Drittels zu drei, vier Torschüssen kam - R. Kondelik hatte keine große Mühe zu parieren und den Dreitorevorsprung in den Schlussabschnitt zu retten, den sich die Indians Dank sechs Powerplays am Stück mühsamst erarbeitet hatten. Glanz verbreitete das zu langsame und ideenlose Überzahlspiel - jeder `Spielzug` war stets vorhersehbar - aber auch heute nicht. Als E. Thomassian aus dem Nichts in Minute 44 allzu frei auf 3:1 hatte stellen dürfen, war nicht damit zu rechnen gewesen, dass sich die Schlussviertelstunde allzu stimmungsvoll anlassen würde. Dank des 37-jährigen R. Haider im DSC-Kasten jedoch wurde den Indiansfans zumindest am Rande der Partie noch einiges geboten, denn der mit dem inzwischen fünften verschiedenen Gästeteam in Hannover weilende Ex-DEL-Keeper machte in den letzten Minuten gute Miene zum schwachen Spiel, erlaubte zwei weitere Kullertore durch K. Doyle (51.) und J. Staltmayr (56.) und war auch zu weiteren Späßen mit der Nordkurve aufgelegt. Die unnötigen späten Gegentore zum 6:2 (58.) und 6:3 (60.) waren für die Indiansfans somit zu verschmerzen, überdies hatte der einzig gelungene Spielzug des Abends in Unterzahl das zwischenzeitliche 5:1 durch D. Meyer gebracht (53.). Die restlichen Angriffsbemühungen waren wie sooft ein ständiges Aufreiben in Zweikämpfen; schnelle gelungene Kombinationen, die schon in Ansätzen die schwerfälligen DSC-Tanker J. Schinköthe und P. Weinzierl überforderten, fanden so gut wie gar nicht statt, das Zusammenspiel in des Gegners Zone ist nach wie vor deutlich ausbaufähig. Macht dann ein Gegner - Lob an den Gast - auch bei einem 1:3-Rückstand nicht bedingungslos hinten auf, so haben die Hannover Indians 07/08 große Probleme ihr Angriffsspiel aufzuziehen. Dass es trotz dieser Kritik bislang zu 7:2 Siegen gereicht hat ist das positive, was in dieser Saison dennoch überwiegt. Der defensiv heillos überforderte und verunsicherte `Haufen` aus dem Spätherbst 2006 gehört trotz ständiger Personalwechsel im Abwehrbereich der Vergangenheit an - das Zusammenspiel in der ja auch weitgehend neu zusammengewürfelten Offensive wird sich, so ist zu hoffen, mit zunehmender Dauer der Saison noch finden. Schon am Sonntag (19.00 Uhr) bei Verfolger Rostock, in der Vorbereitung den Indians noch knapp unterlegen, wird allerdings eine bessere Gesamtleistung als heute von Nöten sein... Fr.,12.10.2007: Hannover Indians – Deggendorf Fire 6:3 (1:0,2:0,3:3) Tore: 1:0 (19.) Dahms 1, 2:0 (31.) Anderson 3, 3:0 (35.) Doyle 6 5-3, 3:1 (44.) Thomassian, 4:1 (51.) Doyle 7, 5:1 (53.) Meyer 2 4-5, 6:1 (56.) Staltmayr 1, 6:2 (58.) Collingham 5-4, 6:3 (60.) Collingham. Strfm.: ECH 12 +10 f. Welke – DSC 16 Zusch.: 2609 HSR: Vozar GWG: K. Doyle (51.) Beste Akteure: M. Dahms – J. Dowhayko ECH: Kondelik,(Jenike) – Morrow,Sondermann,Staltmayr,Thomson,Baumgartner,Dahms – Chamberlain,Doyle,Welke,Huddy,Suchomski,Phillips,Deml,Meyer,Krull,Anderson,Rohatsch,Breiter. DSC: Haider,(Zitzelsberger) – Schinköthe,Bayer,Landstorfer,Weinzierl,Dowhayko,Saßmannshausen,(Wolfgramm) – Sicinski,Greilinger,Kulzer,Thomassian,Collingham,Endraß,Ruderer,Lupzig,Simbeck. |
| Autor: Oliver Schilling - Kommentare (0) - 13.10.2007 um 12:45 |
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