| Vorbericht Dresden vs. ECH |
Am neunten Spieltag der Eishockey-Oberliga messen sich die EC Hannover Indians zum zweiten Mal mit einem Spitzenreiter. Im Vergleich zum überraschenden 2:1 beim EC Bad Tölz vor fünf Tagen stehen die Schützlinge von Coach Joe West am Sonntag (07.10.2007, 18.00 Uhr, Eisarena Dresden) beim Nord-Tabellenführer Dresdner Eislöwen aber vor einer nochmals schwereren Aufgabe: Nicht nur, dass mit Alexander Engel nach seiner Verletzung aus der Partie gegen Füssen (die Kernspintomographie zur genauen Diagnose soll am Montag erfolgen) ein Schlüsselspieler in der Abwehr ausfällt. In ihrer neuen Halle haben die Eislöwen, die nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga die sofortige Rückkehr dorthin als Saisonziel ausgegeben haben, bislang noch kein Spiel verloren – und dabei erst einen Gegentreffer kassiert.
Entscheidenden Anteil daran hat Michal Marik. Der 32-jährige Slowake, vor der Saison von Stjernen Hockey aus Norwegen an die Elbe gewechselt, hat sich nach einer durchwachsenen Vorbereitung zum absolut verlässlichen Rückhalt entwickelt und nach acht Spielen bereits zwei Shut-outs auf seinem Konto. Auch der Gegentorschnitt des Linksfängers (1,85 bei 454 gespielten Minuten) ist beachtlich, doch kann hier „Kultkeeper“ Roman Kondelik im Dress des ECH sogar einen noch besseren Wert (1,77 nach fünf Spielen und 305 Minuten) vorweisen. Hinter Neuzugang Marik steht mit Norbert Pascha ein Akteur bereit, der mit 26 Jahren im besten Eishockey-Alter ist und seine Oberliga-Tauglichkeit nicht nur in Dresden, sondern auch schon für die Bayreuth Tigers unter Beweis gestellt hat. Dieses Duo dürfte wohl das ausgeglichenste Torhütergespann der gesamten Oberliga bilden. Eine gute Mischung aus Routine und Jugend hat Dresdens neuer Trainer Marian Hurtik, zuletzt zwei Jahre lang beim Bayernligisten ESV Königsbrunn an der Bande, in den 1980er-Jahren aber auch schon bei den damaligen Zweitbundesligisten Augsburger EV und EC Bad Nauheim, auch in der Abwehr zur Verfügung. Um junge Cracks wie den Kanadier Jason Lundmark – mit der Empfehlung von 31 Punkten (14 Tore) vom EC Peiting als Mann für den Spielaufbau gekommen und derzeit wieder viertbester Oberliga-Verteidiger – und den früheren Heilbronner Andreas Maier tummeln sich mit Marcel Linke, dem einzigen aus dem letzten Jahr verbliebenen Abwehrspieler, und Roman Weilert als zweitem Ex-Heilbronner in der Dresdener Defensive auch erfahrene Cracks. In diese Kategorie fällt sicherlich auch Martin Zajac. Der slowakische Neuzugang ist zwar erst 25 Jahre alt, spielte bislang aber stets in der Extraliga, der höchsten Liga seines Heimatlandes. In der abgelaufenen Spielzeit kam er dabei für HK 36 Skalica auf 58 Einsätze mit 24 Scorerpunkten (9 Tore) und 133 Strafminuten. Aufgrund seines harten, platzierten Schusses nimmt der Linksschütze insbesondere im Dresdner Powerplay eine Schlüsselposition ein. Als sechster Mann der hochkarätigen, aber zahlenmäßig dünn besetzten Eislöwen-Defensive war der Ex-Kaufbeurer Martin Hamann vorgesehen. Da das 98-Kilo-Kraftpaket aufgrund eines Bauchmuskelrisses länger ausfällt, wechselte kürzlich Tobias Stolikowski nach Sachsen, der in der vergangenen Saison noch bei den Heilbronner Falken unter Vertrag stand nun wieder mit seinen ehemaligen Teamkollegen Weilert und Maier zusammen spielt. Ihr gutes Zusammenspiel ist auch die große Stärke der nominell ersten Angriffsreihe der Eislöwen mit David Musial, Petr Sikora und Markus Guggemos. Während Musial bereits im letzten Jahr das Dresdner Trikot trug und in der 2. Bundesliga auf 29 Scorerpunkte (17 Tore) in 38 Partien kam, kehrt mit Petr Sikora ein Routinier an seine alte Wirkungsstätte zurück. Der Tscheche war bereits zwischen 2001 und 2006 an der Elbe am Puck und hatte im vergangenen Spieljahr mit 86 Scorerpunkten aus 54 Partien maßgeblichen Anteil an der starken Saison des Oberligisten SC Riessersee, die mit dem Nachrücker-Platz in die 2. Bundesliga gekrönt wurde. 69 Vorlagen unterstreichen dabei Sikoras Qualitäten als Vorbereiter und Spielgestalter. In der laufenden Spielzeit ist der 36-Jährige mit aktuell 17 Zählern Dresdens bester Punktesammler und viertbester Oberliga-Scorer. Dritter Mann in der Topformation der Eislöwen ist mit Markus Guggemos ein Akteur, der für Kassel und Wolfsburg zwischen 2000 und 2002 sowie 2003/04 bereits 179 DEL-Spiele absolviert hat und in der vergangenen Saison für Wolfsburg und Essen in der 2. Bundesliga aufs Eis ging. Der 25-Jährige zeichnet sich vor allem durch seine Vielseitigkeit aus, kann er doch sowohl in Abwehr wie auch Angriff eingesetzt werden. Auch die übrigen Dresdener Angreifer bürgen für Qualität, Erfahrung und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Insbesondere in den Special Teams sind die Eislöwen derzeit fast eine Klasse für sich. 35,90 Prozent Erfolgsquote im Powerplay bedeuten klaren Abstand auf das zweitbeste Powerplay-Team aus Bad Tölz (30,00 Prozent) und auch die Unterzahl-Quote von 93,44 Prozent spricht eine deutliche Sprache – der ESV Kaufbeuren als Zweitplatzierter hat mit 89,66 Prozent knapp vier Punkte weniger vorzuweisen und die EC Hannover Indians rangieren mit genau 88 Prozent auf dem vierten Platz. Die starken Über- und Unterzahl-Formationen sind auch ein Verdienst der Routiniers Petr Hruby und Pavel Vit, die für Stabilität sorgen. Beide kamen 2002 nach Dresden, Hruby war von 2005 bis 2007 auch für die damaligen Regionalligisten und heutigen Oberliga-Konkurrenten aus Halle und Rostock aktiv und kehrte in der vergangenen Saison zurück zu den Eislöwen. Für Tore soll außerdem der Ex-Füssener Kevin Gardner sorgen, der mit 30 Toren und 49 Assists in ebenso vielen Spielen hierfür exzellente Referenzen mitbringt und in der laufenden Saison bereits 13 Punkte (ein Treffer) gesammelt hat. Über viel offensives Potential verfügt auch Ex-Indian Markus Rohde, der nach zwei Spielzeiten am Pferdeturm in Dresden eine neue Herausforderung suchte und bislang fünf Scorerpunkte für seinen neuen Club sammeln konnte (drei Tore). Eher als Vorbereiter fungiert hingegen Routinier David Cermak. Der 36 Jahre alte Deutsch-Tscheche ging im letzten Jahr noch für den ehemaligen Ligakonkurrenten Eisbären Regensburg in der 2. Bundesliga auf Punktejagd und kam dort in 54 Partien zu 27 Zählern (9 Tore). Von seiner Erfahrung und seinem starken Bullyspiel erhoffen sich die Dresdner Verantwortlichen wichtige Impulse, zumal er in der laufenden Spielzeit schon wieder neun Punkte (acht Assists) auf seinem Konto hat. Komplettiert werden Dresdens Angriffsreihen vom früheren Selber Kilian Glück, der mit 1,86 Meter Körpergröße und 88 Kilogramm Gewicht für körperbetontes Spiel prädestiniert ist, und dem zuletzt für Kassel in der 2. Bundesliga aktiven Adriano Carciola, jüngerer Bruder des Neu-Düsseldorfers Fabio Carciola. Mit dem früheren Berliner Eisbären-Junior Jiri Mikesz und Erik Pipp von den Junioren des ESV Kaufbeuren haben zudem zwei junge Talente die Chance, in Dresden Oberliga-Luft in einem Spitzenteam zu schnuppern und sich in den Vordergrund zu spielen. Ein ganzes Oberliga-Jahr hat hingegen Michael Schmerda bereits hinter sich, der in der abgelaufenen Spielzeit 49 Matches für die Eislöwen bestritt, dabei fünf Punkte (drei Tore) für sich verbuchte und die Sturmreihen vervollständigt. Nach überstandener Schulterverletzung will der in Zürich geborene Angreifer, der aus Freiburgs Nachwuchs stammt, möglichst schnell wieder auf Vorjahres-Niveau kommen und ein wichtiger Mosaikstein im Aufstiegspuzzle von Löwenbändiger Marian Hurtik werden. Auch wenn Dresden nur einen verhältnismäßig kleinen Kader zur Verfügung hat, gehört er doch zum Besten, was die Oberliga derzeit bieten kann. So spricht denn auch die Statistik eine klare Sprache, haben die Eislöwen in bislang acht Spielen doch erst zwei Zähler abgeben müssen (bei der 3:4-Niederlage nach Penaltyschießen in Weiden am vergangenen Wochenende). Die Indians treten – ohne Alexander Engel und nochmals mit dem Kasseler Förderlizenz-Goalie Adam Ondraschek als Back-up – als absoluter Außenseiter die Reise nach Sachsen an. So können Seppi Staltmayr und Co. befreit aufspielen und versuchen, über ihren unbändigen Kampfgeist und Willen, der den ECH 2007/08 bislang so auszeichnet, dem Favoriten ein Bein zu stellen. Ein Punktgewinn wäre sicherlich auch Balsam auf die Eishockey-Seele am Pferdeturm, war das letzte Aufeinandertreffen beider Teams doch hochdramatisch: Im Play-off-Halbfinale 2005 gewann Hannover die Partien eins und zwei (5:4 und 3:2 n.P.). Die anschließenden Matchballe ließ das Überraschungsteam 2004/05 jedoch ungenutzt, stattdessen bog Dresden mit drei Siegen (3:1, 3:2, 5:1) die Serie um und sicherte sich den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Am Sonntag wäre also eine gute Gelegenheit für die momentan auf Tabellenplatz zwei rangierenden EC Hannover Indians, die jüngeren Statistiken gegen die Dresdner Eislöwen mit einem Punktgewinn deutlich freundlicher zu gestalten. Für alle Fans, die nicht mit zum Topspiel nach Sachsen fahren können, berichtet der ECH-Liveticker (www.ech-liveticker.de) live und ausführlich mit allen Toren und wichtigen News aus der Elbstadt. Quelle: ECH-Liveticker |
| Autor: Niki Jaklitsch - Kommentare (0) - 10.10.2007 um 23:26 |
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