| „Dreier“ im Krimi für die Indians |
Ein erstes Ausrufezeichen gesetzt haben am Dienstagabend die EC Hannover Indians in der Eishockey-Oberliga. Beim Spitzenreiter der Südgruppe, dem EC Bad Tölz, triumphierten die Niedersachsen mit 2:1 (0:0, 0:0, 2:1) und unterstrichen damit einmal mehr ihren unbändigen Siegeswillen. 58 Minuten lang hatten sich zwei gleichwertige Teams einen intensiven Schlagabtausch geliefert, ehe sich der ECH in den Schlussminuten hellwach zeigte, den Tölzer Führungstreffer bravourös wegsteckte und mit einem Doppelschlag durch Kyle Doyle und Ryan Huddy doch noch verdientermaßen drei Zähler mit auf die lange Rückreise nach Norddeutschland nehmen konnte.
Mehr als 1.500 Zuschauer in der schmucken Bad Tölzer Hacker-Pschorr-Arena, darunter rund 20 Hannoveraner, bekamen von Beginn eine hochklassige Partie geboten. Die Indians, bei denen Ken Latta den gesperrten Joe West als Coach an der Bande vertrat, starteten bissig und engagiert, wollten die Niederlage gegen Leipzig vom ersten Bully weg vergessen machen. So kamen die Großstadtindianer schon zum Auftakt zu etlichen guten Möglichkeiten, scheiterten aber immer wieder am gut reagierenden Thomas Ower im Gehäuse der Löwen. Gleiches Bild auf der anderen Seite: Roman Kondelik im Tor des ECH zeichnete sich während der ersten Minuten ebenfalls mehrfach aus, vor allem gegen den Tölzer Paradesturm mit Yanick Dubé, Florian Zeller und Travis James Mulock. Überhaupt agierten die Indians sehr clever, störten früh und entschlossen und ließen Bad Tölz somit wenig Entfaltungsmöglichkeiten. Diese starke Defensivleistung war einer der Gründe, warum Joe West seinem Team auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Partie ein „fast perfektes Auswärtsspiel“ attestierte. Konnten sich die Tölzer Löwen doch einmal vors Hannoveraner Gehäuse kämpfen, stand darin mit Roman Kondelik ein Mann, der mit unglaublichen Reflexen an diesem Abend eine „Wand“ war. Brenzlig wurde es für den ECH meist bei Überzahlspielen der Löwen. Die Gastgeber ließen die Scheibe gut laufen, das bis dato treffsicherste Powerplay der Liga offenbarte aber eine große Schwäche an diesem Abend: Bad Tölz agierte zu kompliziert, spielte lieber einen Pass zu viel statt den direkten Abschluss zu suchen. Da Hannover zudem sehr engagiert im Penalty Killing agierte und seine Stärke darin einmal mehr untermauerte – die Unterzahlquote liegt jetzt bei 88,10 % und ist die viertbeste der Liga – ging die schnelle Partie torlos in die erste Pause. Auch im zweiten Abschnitt erspielten sich beide Teams hochkarätige Chancen, die beiden Torhüter – sowohl der junge Thomas Ower im Gehäuse des ECT als auch Routinier Roman Kondelik auf Seiten der Indians – zogen den Stürmern mit teilweise spektakulären Saves jedoch reihenweise den Zahn. Dass das Match trotz der fehlenden Tore keineswegs langweilig verlief, war großer Verdienst beider Clubs. Mit unermüdlichem Einsatz und hartem, aber stets fairem Körperspiel trugen sie wesentlich zu einer Oberliga-Partie auf hohem Niveau bei. Seinen Anteil daran hatte auch Schiedsrichter Fröschle, der das Match unauffällig und souverän leitete. Gegen Ende von Durchgang zwei erhöhte Bad Tölz das Tempo und die Indians sahen sich in kurzer Folge mehreren so genannten „Hundertprozentigen“ für die Isarwinkler gegenüber. Egal, ob bei Eins gegen Eins oder aus der Drehung aus spitzem Winkel. Was auch immer der Tabellenführer der Südgruppe probierte, stets blieb Roman Kondelik im Verbund mit seiner vor allem bei Nachschüssen sehr aufmerksamen Defensive Sieger. Und mit jedem abgewehrten Schuss, jedem gewonnen Zweikampf und jedem erfolgreich im Aufbau unterbundenen Tölzer Angriff wuchs die Sicherheit und das Selbstvertrauen der Cracks aus der niedersächsischen Landeshauptstadt. So starteten die Indians denn auch mit breiter Brust in den Schlussabschnitt, konnten gleich zu Beginn eine rund 90-sekündige Überzahl trotz guter Ansätze aber leider nicht verwerten. So warteten die Indianer weiterhin aus einer sicheren Abwehr heraus geduldig auf ihre Chancen, ohne Bad Tölz allzu viel Raum zu gewähren. Insbesondere die Tölzer Topformation um Zeller, Dubé und Mulock wurde von den Indianern gut in Schach gehalten. Dass Bad Tölz in seinen Angriffen dennoch stets brandgefährlich blieb, lag am hohen Tempo, das die Isarwinkler gingen. Dem stand freilich Hannover in nichts nach, so dass die Partie auch im Schlussabschnitt hin und her wogte. Wieder erspielten sich sowohl ECT als auch ECH gute Möglichkeiten zur Führung, wieder war bei Ower und Kondelik jeweils Endstation. Die beste Chance, ihrerseits den Sack zuzumachen, hatten die EC Hannover Indians in der 50. Spielminute, als kurz hintereinander zwei Tölzer „Buam“ auf die Strafbank wanderten. Im anschließenden Powerplay lief die Scheibe gut, auch von der blauen Linie wurde geschossen, doch der Puck fand leider nicht den Weg ins Tor. Kaum war Tölz wieder komplett, drängten die Hausherren dann selbst auf den Siegtreffer – und wie: Angriff um Angriff rollte aufs Hannoveraner Gehäuse, doch Roman Kondelik rettete mehrmals in höchster Not und hielt seine Farben mit etlichen „Big Saves“ im Spiel. So deutete vieles auf die Verlängerung hin, doch es sollte noch mal eng werden für den ECH. In der 57. Minute zog Tölz nach einer Strafe wieder sein Überzahlspiel auf, die Scheibe lief schnell und sicher – und fand in Jean-Phillipe Morin einen dankbaren Abnehmer. Der Defender hämmerte den Puck doch noch in die Maschen – 1:0 für den EC Bad Tölz (58.). Die Führung der Hausherren war aufgrund der Drangphase in den vorausgegangenen Minuten verdient und für die Indians sah es so aus, als seien sie um den Lohn ihres großen Engagements gebracht worden. Doch weit gefehlt, denn in den anschließenden zweieinhalb Minuten bis Spielende dürfte jedem der 1.544 Zuschauer klar geworden sein, warum das am Pferdeturm so beliebte „Indians geben niemals auf“ nicht nur ein Fangesang ist, sondern in der Saison 2007/08 vom ECH wirklich gelebt wird. Die Großstadtindianer zeigten sich nach dem Gegentor keinesfalls geschockt, sondern schlugen eiskalt zurück. Zunächst jedoch nahm Ken Latta eine Auszeit: „Das war Taktik. Ich habe gesehen, wie Axel Kammerer seine Jungs nach dem Tor angefeuert hat und wollte ihm den Wind aus den Segeln nehmen“ erzählte der Deutsch-Kanadier mit einem verschmitzten Lächeln auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Lattas Schachzug gelang. Das anschließende Bully entschieden die Hannoveraner für sich. Jan Welke zog vors Tölzer Gehäuse, seinen Schuss konnte Thomas Ower parieren. Die Defensive der Löwen bekam den Abpraller jedoch nicht in den Griff, so lag der Puck frei vor Ower. Kyle Doyle bedankte sich und drosch die Scheibe aus kurzer Distanz zum 1:1-Ausgleich ins Netz (59.). Wäre ein Punkt für den ECH beim Spitzenreiter im Süden schon ein großer Erfolg gewesen, sollte es noch besser kommen. In der Schlussminute leistete sich die sonst sehr souverän agierende Tölzer Hintermannschaft einen groben Patzer, als Torschütze Jean-Phillipe Morin als „letzter Mann“ vor dem eigenen Tor den Puck vertändelte. Ryan Huddy spritzte dazwischen, lief allein auf Ower zu und verlud den Löwen-Keeper mit einem sehenswerten Rückhand-Schlenzer zum 2:1 für den ECH. Zwar mussten die Gäste in den Schlusssekunden noch mal eine Unterzahl überstehen, doch die Auszeit von ECT-Trainer von Axel Kammerer blieb letztlich ohne Wirkung, gelang den Tölzern der Ausgleich doch nicht mehr. Stattdessen durften sich die engagierten, stets hoch konzentrierten und konsequenten Hannover Indians nach einer Energieleistung über drei enorm wichtige Zähler freuen – nicht nur fürs eigene Punktekonto, sondern auch fürs Selbstvertrauen. So bilanzierte denn auch Trainer Joe West nach der Partie zufrieden: „Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Sie hat ein fast perfektes Auswärtsspiel geboten. Es war unheimlich schwer, hier zu gewinnen, aber wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und die Tölzer Topspieler gut im Griff gehabt. Der Sieg war verdient“, meinte West. Für die Indians gilt es nun, den Rückenwind aus der Partie in Bad Tölz mitzunehmen und im Heimspiel gegen den EV Füssen am Freitag (05.10.2007, 20.00 Uhr, Eisstadion am Pferdeturm Hannover) nachzulegen. Mit einem Sieg könnten sich die Cracks um Kapitän Seppi Staltmayr nämlich an der Spitze der Oberliga-Gruppe Nord in Schlagdistanz zum Tabellenersten Dresdner Eislöwen festsetzen. Tore: 1:0 (57:22) Jean-Phillipe Morin (Terry Campbell, Adam Borzecki) 5-4, 1:1 (57:34) Kyle Doyle (Jan Welke, Alexander Engel), 1:2 (59:01) Ryan Huddy Strafminuten: EC Bad Tölz 10, EC Hannover Indians 14 + 10 Disziplinarstrafe gegen Josiah Anderson (Check von hinten) Zuschauer: 1.544 Quelle: ECH-Liveticker |
| Autor: Niki Jaklitsch - Kommentare (0) - 10.10.2007 um 23:21 |
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