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Stillstand - aber kein Rückschritt
InfoMit einer unglaublich charakterstarken Leistung als erste Mannschaft 2007 einen `Dreier` vom hannoverschen Pferdeturm entführt haben am Sonntag Abend die Blue Lions aus Leipzig. Beim 6:4-Triumph in Niedersachsen zeigte sich der letztjährige Regionalliga Nord/Ost-Champion wie schon am Freitag gegen Rostock (6:6 nach 4:6) als toller `Comebacker` und verkraftete insgesamt drei Rückstände um zwei Minuten vor Schluss mit der ersten eigenen Führung eiskalt auf die Siegerstrasse einzubiegen.

Die Hannover Indians kassierten erstmals seit Februar 2004 wieder daheim einen `Schlussdritteleinbruch` mit mindestens vier Gegentoren, der am Ende den Sieg und Tabellenplatz zwei kostete, waren aber Teilnehmer an einem hochunterhaltsamen Eishockeyspiel, in dem beide Teams 60 Minuten lang hohes Tempo gingen und gnadenlos offensiv agierten.

Mit vier kompletten Angriffs- und Abwehrreihen hatte der ECH am Abend genau einen Block mehr aufzubieten als der vermeintliche Underdog aus Sachsen, welcher genau 15 Feldspieler aufs Eis bringen konnte. Umso überraschter dürften die meisten Zuschauer darüber gewesen sein, mit welcher Selbstverständlichkeit der Gast von der ersten Minute an mitspielte, teilweise gar euphorisch stürmte und somit schon das erste Drittel zu einem Leckerbissen für Eishockeyfans gestaltete. Die früh führenden Indians - R. Huddy hatte aus halblinker Position einen tollen Handgelenksschuss genau in den Giebel gesetzt (4.) – sahen schnell ein, dass sie heute beinahe gegen eine Kopie ihrer eigenen Spielweise zu agieren hatten. Nach dem umgehenden Lions-Ausgleich durch F. Eichelkraut zeigten sich die Gäste defensiv so stark wie es die Papierform aussagt, gaben kaum die eigene blaue Linie preis und konterten den ECH immer wieder flink aus – teilweise freilich zu ungestüm, denn nicht selten überliefen schon im Gegenzug die Indians ihrerseits die zu offensiv denkenden Löwenverteidiger, so dass vor beiden Toren einiges geboten war. Hier zeigte sich insbesondere Leipzig-Keeper J. Pospisil als Unterhaltungskünstler, da er drei, vier Hochkaräter entschärfen konnte, während er bei vermeintlich `leichten` Aktionen mehrmals wackelte.

Mit dem 19-jährigen S. Staudt für Pospisil sahen sich die Gäste zu Beginn des zweiten Drittels für gleich 92 Sekunden in einer 3:5-Unterzahl, das Powerplay der Indians jedoch verlief viel zu statisch und langsam, so dass nur ein einziger Schuss dabei herumkam. Auch eine weitere Überzahl kurz darauf überzeugte nur wenig, der Puck allerdings lag im Leipziger Gehäuse – J. Welke hatte aus Nahdistanz einen Staudt-Rebound eingenetzt (25.). Nach dem sich noch in der gleichen Minute anschließenden 3:1 durch M. Rohatsch, der den Löwen-Keeper schön ausgezockt hatte, dauerte es allerdings wieder nur Sekunden bis der Gast unbeeindruckt antwortete und durch P. Czajka auf 3:2 stellte (26.) – die Auszeit Z. Travniceks nach dem 1:3 hatte scheinbar gefruchtet. Der restliche Abschnitt sah ein Chancenplus für Hannover, doch die Leipziger Gefährlichkeit bei Kontern blieb beeindruckend, allerdings zeigte sich der Gast mehr als einmal eine Idee zu verspielt, anstatt den direkten Weg zum Tor zu suchen. Die Kenig-Brüder, bislang Schrecken der Oberligaabwehrreihen, beschränkten sich bis hierher auf spektakuläre Moves und tolle Puckbehandlung, Effizienz ging von ihnen jedoch keine aus, auch nicht im Powerplay, welches vom Tempo her freilich trotzdem in einer anderen Liga spielte, als das des ECH.

Der Schlussabschnitt begann mit einem Paukenschlag. Kaum hatte der Gast durch P. Czajka, der im Zusammenspiel mit L. Hoffmann - vor der Saison 06/07 in Hannover im Probetraining noch gescheitert - heute die Aufgabe des Scorers übernahm, auf 3:3 gestellt (43.), da zeigten die Lions ihre einzige Defensivschwäche des Abends, als E. Hofverberg – schon vor elf Jahren noch gegen Jungwirth, Wittbrock und co. Gast am Pferdeturm, insgesamt die zwölfte Saison in Deutschland aktiv – unbedrängt die Scheibe führend umfiel und K. Doyle somit das 4:3 ermöglichte (44.). Der Genickschlag für Leipzig? Mitnichten, mit einem erneuten Blitzkonter brachte schon Minute 45 den erneuten Ausgleich, als J. Anderson einen Risikoschuss auf den Kasten genommen hatte, der Puck von der Bande zu einem Lion prallte und es nur Sekunden dauerte, bis erneut Czajka eiskalt blieb. Die folgenden zehn Minuten stürmten beide Teams weiter mit offenem Visier, allerdings zeigte sich der Gast insgesamt in der eigenen Zone unglaublich stellungssicher und gestattete Hannover kaum noch `Sitzer`, die eigenen Konter wirkten stets eine Idee gefährlicher – der übliche Vorteil einer Auswärtsmannschaft in einer engen Partie. Zwar konnte der ECH zwei weitere Unterzahlsituationen gegen die stärkste Powerplaymannschaft der Liga bravourös überstehen, ein weiterer Blitzkonter über die verwaiste rechte Abwehrseite der Indians brachte allerdings das `Aus` im heutigen Spiel. Über D. Bartell und den überragenden L. Hoffmann gelangte die Scheibe zu J. Potac und der Slowake ließ S. Agricola, am Abend solider Vertreter für R. Kondelik, aus spitzem Winkel alt aussehen – das 4:5 und gleichzeitig der game-winner, da Hannover auch ein sechster Feldspieler nicht mehr half, im Gegenteil: in Koproduktion ließen die Kenig-Brüder den Puck drei Sekunden vor Schluss in den ECH-Kasten trudeln, die Überraschung war perfekt.

Fazit: die Blue Lions Leipzig waren stark erwartet worden. Dass sie allerdings mit nur drei Reihen zu vier Toren im Schlussabschnitt gegen die bislang so sattelfeste Indiansdefensive würden kommen können, damit war nicht zu rechnen gewesen. Eine späte Genugtuung für die Eichelkraut, Czajka, Hoffmann und co., deren Oberligatauglichkeit in Berlin immer wieder angezweifelt worden war und die heute wie selbstverständlich in die Bresche sprangen, als die Kenig-Brüder einmal abgemeldet waren. Die auf dem Papier ehedem überzeugende Abwehr und defensiv-taktisch geschicktes Verhalten durch die Instruktionen des einstigen Meisterverteidigers aus München ergänzten am Abend das Gesamtpaket Blue Lions, denen am Freitag in Weiden und auch in der Saison 07/08 insgesamt einiges zugetraut werden darf – eine komplette Angriffsreihe fehlte heute verletzt und weitere Verstärkungen sind durchaus im Gespräch.
Die Hannover Indians zeigten sich am Abend engagiert wie eh und je, hatten aber offensiv im Schlussdrittel zu wenige gute Szenen, dazu stimmte zweimal bei Blitzkontern der Gäste das Stellungsspiel in der Rückwärtsbewegung nicht. Die noch nicht 100%ige Abstimmung der Abwehrpärchen Baumgartner/Schadewaldt, bzw. Engel/Morrow mag dazu beigetragen haben, trotz allem muss beiden Neuzugängen eine solide Leistung bescheinigt werden. Die Dienstagspartie in B. Tölz, wo es im Vorjahr in zwei gutklassigen Auftritten 2:3 und 2:4 aus Indianssicht geheißen hatte, wird den ECH wieder einen Schritt nach vorne bringen. Der Weg, den man 07/08 eingeschlagen hat stimmt, etwaige Schlaglöcher – ehedem eingeplant – werden das Team nicht aus der Bahn werfen...


So.,30.9.2007:
Hannover Indians – Blue Lions Leipzig
4:6
(1:1,2:1,1:4)

Tore: 1:0 (4.) Huddy 3 4-4, 1:1 (4.) Eichelkraut 4-4, 2:1 (25.) Welke 1 5-4, 3:1 (25.) Rohatsch 1, 3:2 (26.) Czajka, 3:3 (43.) Czajka, 4:3 (44.) Doyle 3, 4:4 (45.) Czajka, 4:5 (58.) Potac, 4:6 (60.) M. Kenig 5-6.

Strfm.: ECH 14 – BLL 16

Zusch.: 2512

HSR: Lenhart

Top(+): Ganz klar das Unterzahlspiel der Indians: 100% heute, 88,2% insgesamt, hier passt es bislang

Flop(-): Höchste Heimniederlage seit zehneinhalb Monaten, erst das zweite Mal in der Ära West daheim punktlos

GWG: J. Potac (58.)

Beste Akteure: R. Huddy – L. Hoffmann, P. Czajka


ECH: Agricola,(Kondelik) – Engel,Morrow,Baumgartner,Schadewaldt,Thomson,Staltmayr,Jernström,Sondermann – Chamberlain,Doyle,Krull,Welke,Suchomski,Phillips,Huddy,Meyer,Deml,Anderson,Rohatsch,Breiter.

BLL: Pospisil(ab 21.Staudt) – Müller,Potac,Hofverberg,Witting,Gaudet,Felsch – K.Kenig,M.Kenig,M.Weigant,Czajka,Hoffmann,Bartell,Henk,Eichelkraut,Grimm.
Quelle: ECH-Liveticker
Autor: Oliver Schilling - Kommentare (0) - 10.10.2007 um 23:16

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