| Gastspiel beim Schlusslicht in Thüringen |
| Die Tabelle der Eishockey-Oberliga weist 26 Punkte Differenz aus. Auf dem Papier scheint der sonntägliche Auftritt des Nord-Dritten EC Hannover Indians (41 Zähler) beim Letzten EHC Black Dragons Thüringen in Erfurt (02.12.2007, 18.00 Uhr, Eishalle Erfurt) eine klare Angelegenheit zu sein. Doch bekanntlich sind angeschlagene Gegner die gefährlichsten, und nicht nur der Erfurter 2:1-Coup kürzlich gegen die Rostocker Piranhas zeigt, dass der Weg zu drei Punkten für die Indians morgen kein Spaziergang werden wird. Um das Eis als Sieger verlassen zu können, muss die Mannschaft von Trainer Joe West von Beginn an über die gesamte Spielzeit genauso konzentriert sein wie am Freitag gegen Bad Tölz und zudem die Chancenverwertung noch einmal deutlich verbessern.
Dann hat der ECH gute Voraussetzungen geschaffen, um bei den ums wirtschaftliche Überleben kämpfenden Thüringern die Oberhand zu behalten. Während die Großstadtindianer personell bis auf den Langzeitverletzten Steve Slaton voraussichtlich aus dem vollen werden schöpfen können, steht Erfurts neuem alten Trainer Thomas Belitz, der die Mannschaft vor der Saison an Stefan Kagerer abgab und sie nach dem Zusammenbruch des Regensburgers beim Hinspiel in Hannover (6:3 für die Indians) wieder übernommen hat, seit Wochen nur ein Rumpfkader zur Verfügung. So mussten sich die Drachen aufgrund finanzieller Zwänge – die Zuschauerzahlen in Erfurt pendelten sich nach den letzten Niederlagen der stets aufopferungsvoll kämpfenden Truppe bei rund 200 treuen Anhängern ein – von einem halben Dutzend Spieler trennen. Torhüter Marco Ohmann, Oliver Bernhardt, Harry Kulczynski, Brad Mehalko, Sven Schröder und Marc Pinizzotto wurden freigestellt, um die Kosten zu senken. Lukas Heise und Andreas Nickel wirken aus disziplinarischen Gründen nicht mehr mit. Die durch die Abgänge der teilweise bis zur 2. Bundesliga erfahrenen Akteure entstandenen Lücken füllen nun Juniorenspieler aus dem vereinseigenen Talentschuppen. Die machen ihre Sache in Person von Florian Brink, Marcel Axtheim oder Oliver Kammerer zwar sehr gut, doch die Personalnot nicht geringer: „Wir haben zu wenige Junioren, um den Kader vernünftig aufzufüllen“, verdeutlicht Neu-Coach Thomas Belitz das Dilemma. Als Ausweg suchen die Thüringer derzeit nach Akteuren aus unterklassigen Clubs der Region, die für kleines Geld die Chance nutzen wollen, sich in der Oberliga zu präsentieren. Hier sind allerdings noch keine Abschlüsse in Sicht, so dass auch morgen gegen die Indians vermutlich nur etwas mehr als ein Dutzend Feldspieler aufgeboten werden können. Zudem ist der Einsatz des früheren Stuttgarters Timo Basse in der Drachen-Defensive aufgrund einer Knöchelverletzung fraglich. So werden wenige Routiniers in Diensten des EHCE versuchen, im Verbund mit eigenen Junioren den EC Hannover Indians das Leben so schwer wie möglich zu machen. Dazu sollen vor allem die Tore des Kanadiers Scott Corbett beitragen, der mit 13 Treffern in 23 Partien momentan erfolgreichster Schütze des Aufsteigers ist. Unterstützt wird er von Sebastian Buchwieser, wie Timo Basse 2005/06 noch für die Stuttgart Wizards in der Oberliga aktiv. Der Mittenwalder ist mit 21 Punkten (zehn Tore) nach 23 Spielen drittbester Punktesammler der Black Dragons. Diese Wertung wird angeführt von Zbynek Marak. Der 36-jährige Tscheche spielt seine zweite Saison in Erfurt und sammelte zuvor bereits in Wilhelmshaven Deutschland-Erfahrung. Nach ebenfalls 23 absolvierten Partien hat er acht Tore und 20 Vorlagen auf seinem Konto stehen. In der Defensive liegt die Hauptlast auf dem Kanadier Jamie Wright, der in 21 Spielen neun Scorerpunkte, davon zwei Tore, verbuchen konnte. Letzter verbliebener Routinier der Abwehr ist Pavel Vait. Der 35-Jährige spielte für die Lausitzer Füchse und den ETC Crimmitschau schon in der 2. Bundesliga und ist mit seiner Erfahrung Vorbild für Junioren wie Maximilian Dimitrovici, der nun beweisen kann, dass er das Zeug für die Oberliga hat. Diesen Beweis schon längst erfolgreich angetreten hat hingegen Kai Fischer. Der DEL-erfahrene Keeper – Fischer absolvierte zwischen 1994 und 2000 insgesamt 20 Partien für Düsseldorf und Oberhausen in der höchsten deutschen Spielklasse – war in der Oberliga zuletzt 2004/05 für die Hügelsheim Hornets aktiv und verhindert mit soliden Leistungen Woche für Woche höhere Erfurter Niederlagen. Zudem konnte er sich beim überraschenden 1:0 gegen Leipzig Mitte Oktober schon einen Shut-out gutschreiben lassen. Vertreten wird der 30-Jährige von Youngster Martin Otte, dem Stammkeeper der Erfurter Bundesliga-Junioren. Betrachtet man die sportlichen Voraussetzungen, spricht am Sonntag (das Spiel wird geleitet von Hauptschiedsrichter Stefan Franz vom ESV Bergisch Gladbach) alles für die EC Hannover Indians. Doch gerade weil die dezimierten Erfurter befreit aufspielen können, sind sie besonders gefährlich und dürfen keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden. Thomas Morrow, Nils Sondermann und Co. müssen stets konsequent und kompromisslos agieren, in den Zweikämpfen genauso wie im Abschluss. Gelingt dies, wäre alles andere als ein Sieg Hannovers eine große Überraschung – auch wenn der EHC Thüringen durch die kurzfristige Bekanntgabe eines neuen Brust-Werbepartners (ein Internetportal aus dem Bereich der Wohnungswirtschaft) noch einmal neuen Schub erhalten und damit einen Erfolg eingefahren hat, der am Ende für die Rettung des Thüringer Eishockeys bedeutsamer sein könnte als jeder Punktgewinn. |
| Autor: Niki Jaklitsch - Kommentare (0) - 01.12.2007 um 23:37 |
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