| Hohe Hürde in Halle |
| Nach dem ärgerlichen Punktverlust bei der 5:6-Penaltyniederlage in Miesbach und dem spielfreien Sonntag möchten die EC Hannover Indians am Dienstag (27.11.2007, 19.00 Uhr, EissportHALLE) im Gastspiel beim ESC Halle 04 wieder auf die Erfolgsspur zurückkehren. Den Tabellendritten der Nordgruppe der Eishockey-Oberliga (41 Punkte) erwartet dabei freilich eine schwere Aufgabe, verfügt der Aufsteiger aus Sachsen-Anhalt doch über eine erfahrene Truppe, die schon für so manche Überraschung gesorgt hat. Momentan belegen die von Ivan Horak trainierten Saale Bulls Tabellenplatz sechs im Norden und haben mit 31 Zählern die Play-off-Qualifikation noch lange nicht abgeschrieben.
Offizielles Saisonziel der Hallenser ist freilich der Klassenerhalt. Um dieses Ziel zu erreichen, setzen die Bulls auf etliche routinierte Cracks ostdeutscher Eishockey-Hochburgen wie Weißwasser, Crimmitschau und Dresden, die gemeinsam mit jungen Talenten einen schlagkräftigen Verbund bilden. Im Tor hat sich Lukas Smolka gegenüber Tim Schnelle klar durchgesetzt und bislang 20 von 21 Saisonspielen absolviert, bei denen er zudem zwei Shut-outs für sich verbuchen konnte (einen davon beim glatten 3:0 vor heimischer Kulisse gegen den EC Bad Tölz). Der 27-Jährige Deutsch-Tscheche, dem in seiner Zweitliga-Zeit in Freiburg 2005/06 nachgesagt wurde, nicht stark genug für den Durchbruch in Deutschland zu sein, beweist damit eindrucksvoll, dass er sehr wohl das Zeug zum Stammtorhüter im Profi-Eishockey hierzulande hat. So bleibt dem 25 Jahre alten Tim Schnelle, im vergangenen Jahr noch Nummer eins des Aufsteigers aus der Regionalliga Nord-Ost und mit Stationen in Bietigheim, Duisburg, Nürnberg, Iserlohn und Krefeld bereits bis in die DEL herumgekommen, meist nur der harte Platz auf der Ersatzbank. Kopf der Abwehr ist Jan Schertz. Der Ex-Nationalspieler mit reichlich DEL-Erfahrung für die Eisbären Berlin hatte in der vergangenen Saison die Schlittschuhe bereits an den Nagel gehängt und wirkte aus Co-Trainer der Dresdner Eislöwen, kehrte dann mit mittlerweile 38 Jahren – Schertz feiert am Dienstag Geburtstag – aber nochmals aufs Eis zurück. Seine Routine ist wesentlicher Stabilitätsfaktor in der Bulls-Hintermannschaft, mit zehn Punkten (zwei Tore) aus 20 Spielen ist der Linksschütze zudem zweitbester Defensivscorer des ESC 04. Schlagkräftiger ist nur noch der frühere Kemptener Ales Dvorak, der nach 20 Spielen auf elf Scorerpunkte (drei Tore) kommt. Rang drei der Verteidiger-Scorerwertung der Hallenser nimmt der zweitligaerfahrene Lukas Zatopek ein. Der Tscheche absolvierte 2001/02 33 Einsätze für die Heilbronner Falken und hat nach 18 bestrittenen Matches neun Scorerpunkte auf seinem Konto (zwei Tore). Vervollständigt wird die Defensive von Pavel Weiß, einem weiteren Ex-Dresdner, und dem früheren Neuwieder Falk Elzner. Gemeinsam mit den Youngsters Kevin Kern (21 Jahre, absolvierte 2006/07 21 Einsätze für den EHC Freiburg in der Oberliga), Kai Schmitz – der 22-Jährige lief 2004/05 15-mal für den Oberligisten Bayreuth Tigers auf – und Normen Müller möchten die Haudegen dafür sorgen, dass auch gegen die Indians möglichst wenig gefährliche Schüsse aufs Hallenser Tor abgefeuert werden können. Ihrerseits die Hintermannschaft der Großstadtindianer so oft wie möglich fordern möchte hingegen die Angriffsabteilung der Bulls, die wie das gesamte Horak-Team osteuropäisch geprägt ist. Topscorer (26 Punkte, davon zehn Tore, in 20 Spielen) ist mit dem 34-jährigen Tschechen Robert Vavroch ein Akteur, der in seinem Heimatland größtenteils in der 1. Liga aktiv war, aber auch sieben Extraliga-Einsätze für den HC Ceske Budejovice und HC Znojmesti Orli vorweisen kann. Dahinter folgt mit 19 Zählern (neun Tore) aus 21 Spielen Alexander Rusch. Ein Akteur, der Deutschlands dritthöchste Liga bestens kennt und bei seinen Engagements in Füssen, Ravensburg, Garmisch-Partenkirchen und Wilhelmshaven als beschlagener Techniker mit Zug zum Tor zu überzeugen wusste. Dies belegen auch die 51 Scorerpunkte (23 Tore), die der 29-Jähre in der abgelaufenen Saison in 50 Spielen für den EV Füssen sammelte. Darüber hinaus kann der Deutsch-Kasache auf Zweitliga-Erfahrung aus insgesamt 153 Partien für Landshut, Crimmitschau und Wilhelmshaven zurückblicken. Weniger Erfahrung, aber eine ähnlich gute Scoring-Bilanz hat mit 17 Punkten (neun Tore) aus 21 Matches Benjamin Thiede. Der 26-Jährige Bad Muskauer ging in den letzten Jahren, abgesehen von einem Regionalliga-Intermezzo in Leipzig, für seinen Heimatverein Lausitzer Füchse in Oberliga und 2. Bundesliga auf Torejagd und zählt zu den großen Überraschungen der Hallenser in dieser Spielzeit. Mit dem mittlerweile 39 Jahre alten Jedrzej Kasperczyk kann Trainer Ivan Horak zudem auf ein echtes Urgestein im deutschen Eishockey zurückgreifen. Der Deutsch-Pole begann seine Karriere hierzulande Anfang der 1990er-Jahre beim damaligen Nord-Zweitligisten ECD Sauerland und ist über die Stationen Hedos München, Kassel Huskies, Neuwied, Wedemark, Nordhorn, Hamburg, Bremerhaven, Bad Tölz und Dresden mittlerweile in Halle angekommen. In der Spielzeit 1992/93 trug der Mittelstürmer zudem das Trikot des EC Hannover und verbuchte für den damaligen Zweitligisten in 48 Partien 29 Scorerpunkte (13 Tore) und 28 Strafminuten. Reichlich Routine bringt auch Martin Miklik ins Bulls-Team. Der 35 Jahre alte Slowake hat zwischen 2002 und 2005 mit 97 Treffern in 124 Oberliga-Partien für den EV Ravensburg seine Torjägerqualitäten bereits eindrucksvoll bewiesen, leidet derzeit allerdings an Ladehemmung und hat für Halle in der laufenden Saison erst acht Mal eingenetzt. Auf drei Tore weniger bringt es Milan Kubis, doch dafür ist der Tscheche in einer anderen Disziplin unangefochtener Spitzenreiter. Mit 158 Strafminuten führt der 34-Jährige die Hitliste der „bösen Buben“ in der Oberliga mit deutlichem Abstand vor dem Tölzer Adam Borzecki an, der bislang 81 Minuten in der Kühlbox verbringen musste. Heißsporn Kubis, in Deutschland neben Halle auch schon für Dresden, Ratingen und Duisburg aktiv, kassierte am Freitag beim 1:8 der Saale Bulls in Freiburg gleich zwei Spieldauerdisziplinarstrafen. Somit war der Center bei der 5:6-Niederlage nach Verlängerung im Heimspiel gegen Rosenheim am Sonntag zum Zuschauen verurteilt. Komplettiert werden die ESC-Angriffsreihen vom Ex-Weißwasseraner Stefan Kuhlee und dem routinierten Georgi Kimstatsch, der 1995/96 12 DEL-Spiele für die Berliner Eisbären absolvierte und den Großteil seiner Karriere eben bei den Eisbären und Berlin Capitals verbrachte. Mit Marcel Weise und Benjamin Schulz oder dem Ex-Stuttgarter Artur Gross kann Halles Coach Ivan Horak zudem auf talentierte junge Akteure zurückgreifen, die sich in Deutschlands dritthöchster Spielklasse endgültig durchbeißen wollen und für ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Routine und jugendlichem Elan im Sturm des Aufsteigers sorgen. Alles in Allem steht den EC Hannover Indians mit den Saale Bulls Halle am Dienstag eine hohe Hürde bevor, die es zu überspringen gilt. Damit Seppi Staltmayr und Co. Punkte aus Sachsen-Anhalt entführen können, bedarf es gegenüber dem Match in Miesbach freilich einer deutlichen Leistungssteigerung. Die Großstadtindianer müssen über die gesamte Spielzeit hoch konzentriert und konsequent zu Werke gehen, dürfen sich nicht auf nur 20 Minuten Eishockey beschränken. Werden zudem die herausgearbeiteten Torchancen kaltschnäuzig genug verwertet und unnötige Strafzeiten vermieden, bestehen gute Aussichten, mit einem Sieg in Halle wieder auf die Erfolgsspur zurück zu kehren. Beide Teams erwartet also ein heißer Tanz (Schiedsrichter ist Reik van Gameren von FASS Berlin), bei dem die EC Hannover Indians alles geben werden, um das bessere Ende auf ihrer Seite zu haben. |
| Autor: Niki Jaklitsch - Kommentare (0) - 26.11.2007 um 20:21 |
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