| Schwerer Gang nach Deggendorf |
Dezimierter Favorit gegen aufstrebenden Aufsteiger: Unter diese Vorzeichen lässt sich die Freitagspartie der Eishockey-Oberliga zwischen Deggendorf Fire und den EC Hannover Indians stellen (16.11.2007, 20.15 Uhr, Eisstadion Deggendorf). Ein Blick auf die Aufstellung unterstreicht, dass es für die Großstadtindianer aus Niedersachsen in Bayern alles andere als einfach werden wird, erfolgreich zu sein. Dennoch wollen Seppi Staltmayr, Ryan Huddy und Co. den Ausfällen trotzen und mit einem Sieg nicht nur ihre Erfolgsserie gegen Deggendorf ausbauen (das Hinspiel am Pferdeturm ging mit 6:3 an den ECH), sondern auch Tabellenplatz zwei in der Oberliga-Gruppe Nord festigen.
Während die Gastgeber zuletzt am Dienstag mit einem 6:5-Heimsieg gegen Rosenheim aufhorchen ließen und komplett antreten können, müssen die Hannoveraner nach dem 6:3-Erfolg gegen Erfurt mit Josiah Anderson und Kyle Doyle den Ausfall zweier offensiver Leistungsträger verkraften. Beide können infolge von Spieldauerdisziplinarstrafen aus dem Heimmatch gegen die Thüringer ihre Mannschaft im Kampf um Punkte beim Tabellenachten der Gruppe Süd (25 Zähler) nicht unterstützen. Ebenso fehlt weiterhin der Langzeitverletzte Steve Slaton. Roman Kondelik hat hingegen seine Zahnbehandlung, die ihn gegen Erfurt zum Zuschauen zwang, erfolgreich überstanden. Ob der Deutsch-Tscheche auch tatsächlich spielen kann, dürfte es sich aber dennoch erst kurzfristig entscheiden. Auf jeden Fall einsatzbereit ist Robin Thomson, der nach den Länderspielen mit der deutschen U-19-Nationalmannschaft in Kanada wieder ins ECH-Aufgebot zurückkehrt. Auf den jungen Defender und seine Abwehrkollegen wird in Deggendorf Schwerstarbeit zukommen. Der von Günter Eisenhut trainierte Aufsteiger aus der Bayernliga verfügt über etliche Stürmer, die sich auch in der Oberliga als sehr treffsicher erweisen. Herausragender Akteur ist Thomas Greilinger. Der bullige Ex-Nationalspieler (1,84 Meter, 104 Kilogramm) absolvierte in seiner Karriere, die bei seinem Heimatclub in Deggendorf in der 1. Liga Süd – 1997/98 noch beim Vorgängerverein Flames – begann, 251 DEL-Partien und kam dabei für München, Schwenningen, Nürnberg, Mannheim und Straubing auf 148 Scorerpunkte. Im abgelaufenen Spieljahr hatte Greilinger mit 106 Punkten aus 41 Bayernliga-Spielen entscheidenden Anteil am Aufstieg des Deggendorfer Schlittschuh-Clubs und auch heuer ist der Rechtsschütze mit 15 Toren und 19 Beihilfen aus 17 Oberliga-Partien fleißigster Punktesammler seines Teams. Dies bringt ihm zugleich Rang sechs unter allen Oberliga-Scorern ein. In der teaminternen Wertung folgt mit deutlichem Abstand und 20 Zählern aus 15 Spielen (neun Tore) John Sicinski. Der Kanadier, vor seinem Engagement in Deggendorf beim Zweitligisten EHC München tätig und bei den Stuttgart Wizards in der Oberliga zwischen 2003 und 2005 Kapitän, ist gemeinsam mit Thomas Greilinger Dreh- und Angelpunkt der Deggendorfer Offensive. Eine wichtige Rolle spielt auch Thomas Kulzer. Nicht nur, weil das aus seiner Zeit in Straubing zweitligaerfahrene Eigengewächs ebenfalls bereits 20 Scorerpunkte gesammelt hat. Die Tatsache, dass er alle sechs seiner in 17 Partien erzielten Tore in Überzahl schoss, weist den 30-Jährigen als Powerplay-Spezialisten aus. Die übrigen Plätze im Deggendorfer Angriff hat Trainer Günter Eisenhut an junge Talente vergeben. So kann U-20-Nationalspieler Michael Endraß an der Seite der Amerikaner Eric Thomassian und Tom Collingham Spielpraxis sammeln und sich so das Rüstzeug für seine weitere Karriere holen. Der im Vorjahr noch für Ligarivale Bad Tölz aktive Endraß sorgt gemeinsam mit Eigengewächsen wie Markus Ruderer, Daniel Lupzig und Alexander Sterz für eine gute Mischung in den Sturmreihen, die Coach Günter Eisenhut viele Variationsmöglichkeiten gibt und dafür sorgt, dass sein Team schwer auszurechnen ist. Wie Thomas Greilinger in der Offensive ist mit Jan Schinköthe auch in der Abwehr ein Eigengewächs und Rückkehrer die zentrale Figur. Der 36-Jährige begann seine Karriere 1993/94 noch im Trikot der Deggendorf Flames (1. Liga Süd) und trägt nach Gastspielen in Regensburg, Erding, Wolfsburg, Straubing und zuletzt Bad Tölz bereits zum zweiten Mal nach der Saison 2001/02 wieder das Trikot seines Heimatclubs. Schinköthe ist mit derzeit 15 Punkten (vier Tore) aus 17 Matches erfolgreichster Deggendorfer Abwehrspieler und rangiert in der Verteidigerwertung der Oberliga auf dem elften Rang. Doch er leistet nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Spielaufbau, sondern räumt gemeinsam mit dem früheren Bad Nauheimer Johannes Saßmannshausen, der vor seiner Zeit in Deggendorf beim Zweitligisten Lausitzer Füchse spielte, und dem Ex-Bayreuther Manuel Bayer auch konsequent vor dem eigenen Gehäuse auf. Im Verbund mit dem erst im Laufe der Saison nachverpflichteten Kanadier Jamie Dowhayko, der von der University of Manitoba (CIS) an die Trat nach Niederbayern kam, führt dieses Quartett weitere Eigengewächse, die den Abwehrverbund vervollständigen. Philipp Weinzierl spielte bereits für die Flames in der Oberliga Süd (1999-2001), während der erst 17 Jahre alte Nico Wolfgramm seine erste Saison in Deutschlands dritthöchster Spielklasse absolviert und behutsam an das dortige Niveau herangeführt werden soll. Auf einen „alten Hasen“ und zwei „Jungspunde“ setzt Deggendorf Fire auch beim Torhüter-Trio. Routinier Reinhard Haider hat seine Klasse bereits jahrelang unter Beweis gestellt. Sowohl in Augsburg, wo er 1994/95 33 DEL-Einsätze absolvierte, als auch bei seinen übrigen Stationen Freiburg, Regensburg, Weiden und zuletzt zwei Jahre beim TEV Miesbach in der Oberliga bot er konstant starke Leistungen. Daran knüpft der 37-Jährige auch in dieser Spielzeit an und hat folglich alle 17 Oberliga-Partien für Fire absolviert. Den sicherlich hochtalentierten Eigengewächsen Alex Zitzelsberger (22 Jahre) und Junior Marco Feiertag (16) bleibt daher momentan nur der unbequeme Platz auf der Ersatzbank. Die EC Hannover Indians haben in Anbetracht der guten Mischung aus jugendlichem Elan und Routine im Deggendorfer Kader am Freitagabend keine leichte Aufgabe vor sich. Doch gerade jetzt möchten die Niedersachsen zeigen, dass sie auch Ausfälle von mehreren Leistungsträgern wegstecken können und mit einer kompakten Mannschaftsleistung einen wichtigen Sieg einfahren. Beim fairsten Team der gesamten Oberliga – Deggendorf Fire kassiert pro Spiel durchschnittlich nur 14,29 Strafminuten – wird dazu vor allem Geduld gefragt sein. Da sich nicht viele Powerplay-Situationen ergeben dürften, gilt es für die Indians bei Fünf gegen Fünf im entscheidenden Moment die herausgespielten Torchancen konsequent zu nutzen. Machen die Cracks vom Pferdeturm zudem noch einen möglichst großen Bogen um die Strafbank, stehen die Chancen sehr gut, mit einem Sieg in Deggendorf (Hauptschiedsrichter des Matches ist Ulpi Sicorschi vom EHC Waldkraiburg) einen erfolgreichen Start ins erste Wochenende nach der Deutschlandcup-Pause hinzulegen. |
| Autor: Niki Jaklitsch - Kommentare (0) - 15.11.2007 um 20:16 |
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